Bao – Mein Lieblings-Dim-Sum

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Seitdem ich mit dem Food-Bloggen angefangen habe, werde ich immer wieder danach gefragt, welches Essen mein Lieblingsessen ist. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich Vieles gerne esse.

Sei es ein europäisches, asiatisches oder arabisches Gericht, die Hauptsache für mich ist, beim ersten Bissen muss es meine Augen leuchten lassen und mein begeistertes Lächeln hervorrufen können.

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Auf meinen Reisen durch alle möglichen Länder habe ich jede Menge Leckerbissen für mich entdeckt. Zu Hause in meinem „Versuchslabor“, der fünf Quadratmeter großen Küche,  probiere ich sehr gerne aus, den mich begeisternden Geschmack selbst wieder herzustellen.

Manchmal wundere ich mich schon ein bisschen darüber, wie gut mein Geschmacksgedächtnis ist. Denn ich gehöre definitiv nicht zu den Menschen, die über ein herausragendes Erinnerungsvermögen verfügen.

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Mein gutes Geschmacksgedächtnis reicht sogar bis zu Gerichten aus meiner Kindheit zurück, was mich immer wieder total erstaunen lässt. Eines meiner Lieblingsessen aus meiner Kindheit in China waren diese Bao, eine Art von gedämpften gefüllten Dim Sum.

Bao hat einen wunderbar saftigen, wollweichen Teigmantel, der je nach Wunsch unterschiedliche, würzige Füllungen aus Fleisch und Gemüse enthält. Auf chinesisch bedeutet Bao „Tasche“. Dieser Name stammt anscheinend aus der Antike Chinas.

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Vor einigen tausend Jahren gab es noch nicht solche schicken Taschen wie in der heutigen Mode. Die Antik-Chinesen nahmen, je nach ihrem Wohlstand, ein Stück quadratisches Tuch aus Baumwolle oder Seide, bei dem die vier Ecken des Tuchs in der Mitte zusammen gebunden wurden, um alles für unterwegs darin einzuwickeln. Dadurch entstand ein rundes Päckchen mit Knoten in der Mitte. Die Antik-Chinesen steckten einen ihrer Arme durch die Knoten und hielten ihre „Bao“ somit fest im Arm. Genial, nicht wahr?

Diese essbaren „Taschen“, Bao, mit ihrer runden Form und den Falten auf dem Teig, sehen sehr ähnlich wie die praktischen „Tuch-Taschen“ aus der Antike aus. Daher wurden diese köstlichen Teigtaschen von den Chinesen mit ihrer herausragenden Vorstellungskraft auf diesen Namen getauft.

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In meiner Kindheit gab es auf unserem Esstisch nicht sehr oft diese saftigen geschmackvollen Dim Sum, denn sie sind sehr zeitaufwändig herzustellen. Diese kleinen Schönheiten benötigen nicht nur handwerkliches Geschick sondern auch noch ganz viel Geduld. Deshalb gab es meistens nur zu Neujahr oder wichtigen traditionellen chinesischen Festen die hausgemachten Bao zum Schlemmen.

Das Bild ist heute noch druckfrisch in meiner Erinnerung, in der meine Eltern mit allen meinen Onkeln und Tanten an dem riesigen runden Holztisch meiner Großeltern saßen und ihre Hände schneeweiß von dem Mehl waren. In der Mitte der runden Tischplatte häuften sich Berge von den kleinen Teigstückchen, woraus später die künstlerisch wunderschönen Teigtäschchen wurden.

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Alle Hände waren beschäftigt. Gleichzeitig wurde auch noch über alles erzählt und gelacht. Dies war der schöne Moment der großen Familie, es war auch absolut einer meiner Lieblingsmomente in meiner Kindheit.

Nach dem Basteln durften die Bao kurz ruhen und aufgehen. Danach wurden sie in Dampfaufsätze gesetzt und auf einem mit Wasser gefüllten Wok gedämpft. Ich, damals ein kleines Mädchen im Alter von 6 oder 7 Jahren, wartete ganz ruhig und geduldig am Herd, fixierte den aufsteigenden weißen Dampf mit meinen Augen ganz fest und saugte den duftenden Geruch ganz gierig mit meiner kleinen Nase ein, als ob ich alle Aromen in mir speichern wollte, die sich heimlich mit dem Dampf aus dem Dampfaufsatz davon stehlen wollten.

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Dann kam dieser sensationelle Moment der „Aufdeckung“ des Deckels der Dampfaufsätze. Mit dieser Aufgabe wurde meistens jener Erwachsene beauftragt, der oder die sehr zuverlässig und verantwortungsbewusst war. Denn der Zeitpunkt der „Aufdeckung“ muss sehr genau sein, um die richtige Konsistenz des Hefeteigs zu erzielen. Sehr oft war es mein Vater, manchmal aber auch meine große Tante.

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Dieser Moment war für mich wie eine Szene aus dem Märchen „Aladin und die Wunderlampe“. Als der große Deckel aufgedeckt war, stieg eine riesige Wolke von heißem Dampf auf. Der Oberkörper meines Vaters verschwand augenblicklich komplett darin. Als er wieder zu sehen war, hatte sich seine Brille komplett beschlagen und seine Haare waren von Dampftropfen angefeuchtet. Er sah aus wie der Geist aus der Wunderlampe, der jedes Mal bei seiner Erscheinung von einer dicken Wolke umhüllt ist. Ich, das kleine Mädchen, betrachtete ihn mit großer Ehrfurcht und wünschte mir insgeheim, dass die Bao gut gelungen waren.

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Dieser Moment war auch wie die Offenbarung eines Geheimnisses. Man wusste vorher nie hundertprozentig, ob es gelungen war oder nicht. Mein Vater betastete eine Bao ganz leicht mit seinem Zeigefinger, um zu begutachten, ob der Teig richtig aufgegangen war. Dann nahm er ein Bao aus dem Dampfaufsatz und schnitt es in zwei Hälften, um zu überprüfen, ob die Füllung schon gar war.

Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck gab er mir eine Hälfte zum probieren. Es war für mich eine große Ehre. Denn ich durfte als Erste probieren! Ich konnte gar nicht mehr länger warten bis die Bao ein wenig abgekühlt war und biss sofort hinein. Es war heiß, es war köstlich! Der Teig war richtig zart, die Füllung würzig und saftig. Das Wort „lecker“ reichte nicht aus, um dieses tolle Geschmackserlebnis zu beschreiben. Die Wunderlampe hatte gewirkt! 😉

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Dieser Geschmack ist seit dem in meiner Erinnerung eingraviert. Nun habe ich mich endlich getraut, diesen Geschmack für mich wieder herzustellen. Und, ich hatte auch eine Wunderlampe. Es ist mir sehr gut gelungen! Es schmeckte einfach traumhaft nach meiner Kindheit. 😀

Bei der Garmethode habe ich mich für das Brat-Dampfen anstatt für das traditionelle Wasser-Dampfen entschieden. Dadurch bekommen die saftigen Bao noch einen knusprigen Teigboden dazu, was ein harmonischer Kontrast zu der zarten Konsistenz der Bao bildet.

Zutaten:

Für die Füllung:
300g Hackfleisch
½ Zwiebel
½ Kohlrabi

Für die Füllungssoße:
3 TL Charsiu Sauce
2 EL dunkle Sojasoße
1 EL helle Sojasoße
2 TL Reiswein
1 TL Sesamöl
½ TL Fünf-Gewürze
½ TL Salz
frisch gemahlener Pfeffer

Für den Teig:
250g Mehl Type 405
3g Trockenhefe
135ml Wasser
10g Zucker
1 TL pflanzliches Öl

Für das Mehlwasser:
100ml Wasser
1 TL Mehl

Zubereitung:

  1. Die Hefe mit dem Wasser verrühren, dann zu den restlichen Zutaten für den Teig geben, zu einem glatten Teig verrühren.
  2. Den Teig mit den Händen auf der Arbeitsfläche kurz durchkneten, bis der Teig eine glatte Oberfläche bekommt, den Teig für ca. 5 Min. ruhen lassen.
  3. Den Teig zu einer länglichen Rolle ausrollen und in kleine Stücke (2-3 cm) teilen.
  4. Jedes Teigstückchen flachdrücken und mit dem Nudelholz zu einem runden Blatt  (ca. 6 cm) ausrollen.
  5. Die Füllung auf den runden Blättern verteilen. Den Rand des Teigblattes mit Zeigefinger und Daumen der rechten Hand hochziehen und zusammen drücken, bis das Teigtäschchen komplett geschlossen ist.
  6. Die Bao mit Wachspapier unterlegen und in den Bambus-Dampfaufsatz geben, mit zugedecktem Deckel für ca. 30 Minuten aufgehen lassen.
  7. In eine Bratpfanne 2 EL Öl geben. Bao in der Pfanne verteilen. Das Mehlwasser dazu gießen.  Bao mit Sesamkörnern garnieren. Mit zugedecktem Deckel für ca. 10 Minuten garen, bis das Wasser in der Pfanne komplett verdampft ist. Deckel abheben und überprüfen ob der Boden der Bao schon goldbraun ist. Wenn ja, guten Appetit!
  8. Oder: In einen Topf Wasser geben, den Dampfaufsatz darauf setzen, bei großer Flamme ca. 15 Minuten dämpfen.

Man man chi! (Lass Dir schmecken!) 😀

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8 Gedanken zu „Bao – Mein Lieblings-Dim-Sum

  1. Barbara Furthmüller (@BSpielwiese)

    Ich liebe 包子 – baozi, so kenne ich sie aus China, mit dem -zi hinten dran. Und Deine sehen perfekt aus, wunderschön!!! Ich bin immer zu faul, welche zu machen, weil es schon aufwändig ist. Dabei sitze ich jetzt sabbernd vor dem Bildschirm… Ganz großes Lob! 🙂

    Antwort
    1. Qin Autor

      Hallo Barbara,

      vielen Dank für dein liebevolles Feedback. Natürlich hast Du Recht: In vielen Fällen kennt man dieses Dim-Sum unter den Namen Baozi, welcher eine umgangssprachliche Bezeichnung ist. Ich habe die eher formelle Bezeichnung Bao genommen, da sie für die deutschen Leser viel einfacher zu merken ist. 🙂

      Baozi selber zu machen, ist es sehr aufwändig. Da gebe ich Dir absolute Recht. Aber was bleibt einem übrig, wenn man es nirgendwo kaufen kann? 😉

      Liebe Grüße, Qin

      Antwort
  2. Julias Buchblog

    Bisher hat mich die aufwendige Zubereitung ja immer abgeschreckt, aber nach deiner begeisterten Schilderung muss ich es wohl doch probieren. Aber eine Frage habe ich: was ist „Charsiu Sauce“?

    LG, Julia

    PS: ich habe deine Grüntee-Kekse für Weihnachten gebacken. Der einen Hälfte der Familie war das zu exotisch, die anderen haben sie geliebt! Ich „darf“ sie nächstes Jahr jedenfalls wieder machen 😉

    Antwort
    1. Qin Autor

      Hallo Julia, das freut mich sehr, dass du das Bao-Rezept ausprobieren möchtest. Charsiu Sauce ist eine typische Soße zum Marinieren vom Fleisch. Diese süßliche schmeckende Soße nutzt man in China sehr gerne fürs Grillen vom vor allem Schweinefleisch. Ich liebe die Kombination dieser Soße aus Süd-China mit würziger Sojasoße total. Charsiu-Soße kann man in Asien-Shops oder online problemlos bekommen. Melde dich einfach, falls du noch Fragen hast. Ich bin echt sehr auf dein Feedback gespannt.

      Toll, dass die Grüntee-Keks bei den Hälfte deiner Familie sehr gut angekommen sind. Probier nächstes mal vielleicht auch mal die Schwarzsesam-Amarettis. Die sind momentan meine Favoriten. Vielleicht kannst Du damit die andere Hälfte deiner Familie auch noch begeistern. 😉

      Liebe Grüße, Qin

      Antwort
  3. krieger.renate@t-online.de

    Du hast, wie immer, Qin, wieder ein tolles Rezept auf den Weg gebracht. Wenn man wenig mit der chinesischen Küche zu tun hatte, wundert man sich total über diese Vielfältigkeit. Deine Fotos und Deine Rezept-Ideen sind super. Einzelne Gerichte koche ich garantiert nach, denn
    sie sind einfach genial. Für Deine Bao werde ich mir die Zeit nehmen und auch die Geduld aufbringen!
    LG Mo-Ma

    Antwort
  4. Uta Rauser

    Die Geschichte zu den schönen Bildern habe ich gern gelesen! Wahre Kunstwerke sind Deine Bao geworden! Wenn ich mal gaaaanz viel Zeit habe, traue ich mich daran, die Herstellung nach Deinem Rezept auszuprobieren.
    Ich liebe Dim Sum in all ihren Variationen, wie so vieles der (echten) chinesischen Küche.

    Antwort
    1. Qin Autor

      Hallo Uta,

      vielen Dank fürs Vorbeischauen. Ich freue mich, dass meine Geschichte dir gut gefallen hat. Auf deiner wunderschönen Webseite habe ich erfahren, dass du in China warst und begeistert von echter chinesischen Küche bist. Super! Ich freue mich auf mehr Austausch dazu in der Zukunft. 😉

      Ja, diese Bao verlangen tatsächlich ziemlich viel Zeit und Geduld. Aber das Ergebnis rentiert sich auf jeden Fall. 😉 Viel Erfolg!

      Grüße, Qin

      Antwort

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