Spätzle und Garnelen in Sacha-Sauce: Schwaben treffen auf Chinesen

© Qin Xie-Krieger

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Bevor ich ins Schwabenländle gekommen bin, habe ich einiges über die „Eigenart“ der Schwaben erfahren. Laut der Meinung vieler unserer nicht schwäbischen Freunde und Bekannten sollten die Schwaben ein sehr gewöhnungsbedürftiger Menschenschlag sein.

Sie seien sehr sparsam und der Prototyp des Strebers unter allen Deutschen. Ziemlich verschlossen sollten sie auch noch sein, so dass die „Reig’schmeckte“- Zugezogene auf schwäbisch – nicht leicht mit ihnen Kontakt aufbauen können.

© Qin Xie-Krieger

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Ich muss zugeben, dass das alles für mich am Anfang schon ein bisschen abschreckend klang. Wird die nahezu „peinliche“ Ordentlichkeit der Schwaben uns schnell auf den Geist gehen? Werde ich mich im Ländle wohl fühlen? Werden wir schnell Freundschaften aufbauen können? Wird mein asiatisches Aussehen eher eine Barriere für den Kontaktaufbau mit den Einheimischen darstellen?

Gleichzeitig reizten mich alle diese Ungewissheiten auch total. Ich war richtig aufgeregt über die neuen Erfahrungen mit den „eigenartigen“ Schwaben!

© Qin Xie-Krieger

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Nun ist schon ein halbes Jahr vergangen. Wie ist meine multi-interkulturelle Begegnung (chinesisch-deutsch-schwäbisch) mit den Schwaben gelaufen? Also, alle Nicht-Schwaben werden von mir enttäuscht sein. Denn ich kann wirklich nur Positives über unsere neuen schwäbischen Bekanntschaften und Freunde sagen.

Die sind ein lebenslustiger Haufen von offenen und herzlichen Menschen! Sei es mein aus  der Pfalz stammender Mann oder ich mit dem asiatischen Aussehen, wir wurden ganz schnell von unterschiedlichen, dennoch gleich liebevollen Menschen im Ländle akzeptiert und  aufgenommen.

© Qin Xie-Krieger

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Binnen kurzer Zeit haben wir schon einige herzliche Freundschaften mit den Einheimischen aufgebaut. Um ganz ehrlich zu sein, Fleiß ist doch kein Manko, oder? Im Gegenteil, ohne Fleiß gibt es kein Wirtschaftswunder! Da sind wir Chinesen wahrscheinlich sehr ähnlich wie die Schwaben. 😉 Zusammengefasst: Wir fühlen uns einfach pudelwohl im Ländle! Dazu noch: Wir müssen nicht die berüchtigte und gefürchtete „Kehrwoche“ machen. Was gibt es da noch zu beklagen?  😉

© Qin Xie-Krieger

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Auch in der Küche habe ich einige schwäbische „Bekanntschaften“ gemacht. Eine davon sind die berühmten Spätzle, nahezu ein Heiligtum für die Schwaben. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Schwaben nicht einen Tag ohne ihre Lieblingsnudeln überleben können. Dafür müsste man sie wahrscheinlich in ein Entzugszentrum stecken. 😉

Nachdem ich selbst ein paar mal die Spätzle selbst geschabt und gegessen habe, kann ich nun die Besessenheit der Schwaben gegenüber ihren Spätzle sehr gut nachvollziehen (auch wenn ich ihre Lieblingskombination aus Spätzle, Linsen und Saiten -Wurst auf schwäbisch- leider nicht sehr schätzen kann). Diese kleinen Nudeln sind wirklich total lecker!

Die Art und Weise der Zubereitung von Spätzle erinnert mich an eine spezielle Nudelsorte aus meiner Heimat, die mit einem scharfen Messer direkt ins kochende Wasser geschabt wird. Vielleicht ist dies auch der Grund, wieso ich in kürzester Zeit von Spätzle begeistert bin.

© Qin Xie-Krieger

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Für meine Spätzle nehme ich den frisch gepressten Karottensaft, um den Nudeln eine schöne gelbe Farbe und eine leicht süßliche Note zu verleihen. Mit einer selbst gemachten chinesischen Sacha-Sauce werden die Nudeln kurz gewokt. So entstand die erste kulinarische interkulturelle Begegnung einer Chinesin im Schwabenländle!

Das Ergebnis: Eine absolut köstliche Begegnung! 😀

Zutaten (4 Portionen):

Für die Spätzle:
400g Weizenmehl Type 405
4 Eier
1 TL Salz
1/8 l frisch gepresster Karottensaft

Für die Sacha-Soße:
120g Sacha-Paste (eine Paste auf Basis von Fisch und Schrimps, erhältlich im Asia Shop)
3 Knoblauchzehen
100g Austernsoße (Asia Shop)
2 EL Sojasoße
20g Zucker
30ml Reiswein
1 EL Rapsöl
Salz und Pfeffer

Für die Garnelen:

400g Riesengarnelen (geschält, ausgenommen)
1 TL Zitronensaft
Salz und Pfeffer
2 EL Rapsöl

Zubereitung:

Für die Spätzle:

  1. Das Mehl sieben und in eine Rührschüssel geben.
  2. Die Eier, Salz und Wasser dazu geben, alles zu einem zähflüssigen Teig kräftig rühren. So lange rühren, bis der Teig Blasen wirft. Somit wird Luft untergeschlagen und lässt die Spätzle lockerer werden. Den Teig ca. 30 Min. ruhen lassen.
  3. In einem Topf Wasser kochen und Salz zufügen. Den Teig portionsweise auf einem Holzbrett (wenn möglich ein Spätzlebrett, es ist nach vorne leicht abgeschrägt) geben und mit einem Teigschaber ins kochende Wasser schaben. Vorsicht, nicht zu dick schaben.
  4. Wenn die Spätzle an der Wasseroberfläche schwimmen, sind sie gut. Diese mit einem Schaumlöffel aus dem Wasser holen, mit ein wenig Öl vermischen und im 60 Grad vorgeheizten Ofen zugedeckt warmhalten.

Für die Sacha-Soße:

  1. Knoblauchzehen mit einer Knoblauchpresse zerdrücken.
  2. Alle Zutaten für die Soße in einer großen Schüssel gut vermischen.

Endzubereitung:

  1. Garnelen mit kaltem Wasser abspülen und mit Küchenpapier abtrocknen.
  2. Zu der Hälfte der zubereiteten Sacha-Soße hinzufügen und für 30 Minuten darin marinieren.
  3. Rapsöl in eine Pfanne geben und die Garnelen in der Pfanne von jeder Seite ca. 1 Minute braten. Aus der Pfanne nehmen und im warmen Ofen warmhalten.
  4. Die Spätzle mit der restlichen Sacha-Soße in der Garnelen-Pfanne kurz anbraten, die warmgehaltenen Garnelen darunter mischen und kurz zusammen braten.
  5. Dazu passen im Salzwasser gedünstete, knackige Zuckerschoten oder Breitbohnen sehr gut.
© Qin Xie-Krieger

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5 Gedanken zu „Spätzle und Garnelen in Sacha-Sauce: Schwaben treffen auf Chinesen

  1. Heidemarie Kek

    Also, als ich( mit Migrationshintergrund) vor vielen Jahren meine badische Heimat verlassen habe und ins Schwabenländle eingewandert bin, hatte ich eine Ahnung von Spätzle. Meine Schwiegermutter und ein Koch verpaßten mir zu diesem Thema den letzten Schliff. Deine neue Kombination klingt sehr abenteuerlich, doch ich werde mal testen. Mein Mann schwärmt von Forelle mit Spätzle, also warum nicht Shrimps? Übrigens, nimm mal statt Karottensaft Bier für den Teig und kein Wasser. Das Ergebnis ist luftiger und würzig. Das gilt besonders für die Spätzle in klassische Kombination.

    Grüßle
    Heidemarie

    Antwort
    1. Qin Autor

      Hallo Heidemarie, danke für Dein Feedback. Ich nutze normalerweise Mineralwasser für die klassische Version. Für dieses Rezept habe ich mich für den Karottensaft entschieden, um den Spätzler eine dezente süße Note zu geben. Viel Spaß beim Ausprobieren. 🙂 Grüße, Qin

      Antwort
    1. Qin Autor

      Sacha ist eine Paste aus Fisch und Shrimps. Es schmeckt leicht süßlich und ist nicht die Garnelenpaste aus Thailand. Das bekommst du in Asia Shop.

      Liebe Grüße,
      Qin

      Antwort

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