Verirrte Ameisen im Wald – Hähnchen Wrap mit Salatblatt

Hähnchen-Wrap im Salatblatt

Hähnchen-Wrap im Salatblatt

Waaas? Diese Chinesen, die essen echt alles! Nun sind auch noch die niedlichen Ameisen dran!

Man nehme fünf Ameisen-Filets, am besten die aus der Lende, die sind am zartesten…

Nein, kleiner Scherz am Rande… 😉 Keine Sorge, wir werden hier bei diesem Gericht KEINE Ameisen brutzeln. Es stimmt schon, dass wir Chinesen gerne eine Menge Sachen essen. Manchmal auch solche, die einem Europäer seltsam vorkommen. Aber ich gehöre NICHT zu denen, die sich wirklich wagen, jedes abgefahrene Gericht zu essen.

Sicher hast du schon einmal diesen Spruch über den grenzenlosen Appetit von Chinesen gehört: „Chinesen essen alles, was vier Beine hat, außer Tischen und Stühlen und alles, was fliegen kann, außer Flugzeugen“. Immer wenn meine internationalen Freunde mich auf diese „schreckliche“ Seite der chinesischen kulinarischen Gewohnheit ansprechen, lautet meine Antwort: „OK, ein Teil dieser Sprüche trifft zu. Allerdings gibt es ein großes Missverständnis! Nicht alle Chinesen, sondern NUR die Kantonesen tun dies! “

Ja, die armen Kantonesen aus dem südlichen China. Sie müssen sich opfern und haben diesen schlechten Ruf stellvertretend für ihre Landsleute zu tragen. Allerdings ist es nicht ganz unberechtigt, diese Schuld auf sie zu schieben, denn sie trauen sich schon eher als die Chinesen aus anderen Teilen Chinas, „seltsame“ oder „abgefahrene“ Dinge zu essen.

Wo ich herkomme, aus der Provinz Sichuan, essen wir eigentlich keine ganz verrückten Dinge. OK, ich muss zugeben, wir essen auch Hühnerfüße, aber ich bitte dich! Was sind Hühnerfüße im Vergleich zu Schlangen und Insekten?

Wie auch immer, ich esse also KEINE Ameisen! Aber welche Art von Gericht ist das dann? Beim Kreieren dieses Rezeptes bin ich von einem berühmten Gericht aus meiner Heimatstadt inspiriert worden, dessen Name „Ameisen klettern auf Bäume“ (螞蟻上樹) lautet.

Die Hauptzutaten dieses Gerichts sind Hackfleisch und jede Menge Glasnudeln. Da die winzigen dunklen Hackfleisch-Stückchen wie kleine Ameisen und die Glasnudeln wie Baumäste aussehen, gaben Chinesen – mit ihrer außergewöhnlichen Phantasie – diesem Gericht den extravaganten Namen.

Ich mag diese romantische Art und Weise der Namensgebung für Gerichte. Aber manchmal ist es wirklich sehr schwer zu entschlüsseln, was einer bestellt hat. Es gibt Namen, bei denen man gerade noch erraten kann, was die Hauptzutaten dieses Gerichts sind.

So z.B. „Spucke-Hähnchen“. Ja, ich weiß, das klingt nicht wirklich appetitanregend und wer wird schon ein Hähnchen bestellen, das mit Spucke serviert wird? Eigentlich bekam dieses Gericht diesen kuriosen Namen gerade wegen seines guten Geschmacks. Jeder, der an dieses Hähnchengericht denkt, bekommt wegen des leckeren Geschmacks sofort Appetit darauf und fängt angeblich sofort an zu sabbern.

So sind solche Namen noch leichte Beute. Wie wäre es mit „Phönix Tatze“, „Sich wälzender Esel“ oder „Geschmorter roter Löwenkopf“? Fühlst du dich jetzt endlich total verwirrt oder sogar überfordert? Aber gleichzeitig bist du vielleicht auch ein bisschen neugierig und willst wissen, was hinter diesen Namen steckt?

OK, ich verspreche, am Ende dieses Textes die Antworten zu verraten. (Nein, Finger weg vom Scrollrad!! Geduld ist eine Tugend!) 😉

@kuecheohnegrenzen.wordpress.com

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Spätestens jetzt kannst du grob erraten, aus welchen Zutaten mein Gericht besteht! Auf den Fotos ist der „riesige“ Wald (sprich: das Salatblatt) nicht zu übersehen. Dazu noch ein paar kleine Fleischstückchen und einige Glasnudeln. Sieht es nicht so aus, als ob ein paar kleine Ameisen, die gerade die Bäume hoch und runter klettern, sich so fühlen, als würden sie sich in einem riesigen Wald verirren? Also, darum habe ich mich entschlossen, meinem Gericht diesen extravaganten Namen zu geben: „Verirrte Ameisen im Wald!“

Du siehst, auch nach fünfzehn Jahren in Europa habe ich immer noch diese „schreckliche“ chinesische Angewohnheit, den Gerichten blumige, nichtssagende Namen zu geben. Aber was kann ich machen? Ich liebe einfach diese Art von lustigen Namen! Man kann damit bei der Bestellung zwar nichts anfangen, aber solche Namen vergisst man garantiert nicht mehr! Die sind unglaublich bildhaft!

Nun zurück zu meinem Gericht: „Verirrte Ameisen im Wald“. Wie ich bereits erwähnt habe, wurde mein Rezept von dem berühmten Sichuan-Gericht „Ameisen klettern auf Bäume“ inspiriert. Doch statt Hackfleisch nehme ich Hähnchenfilet und schneide es in Mini-Würfel. Im Vergleich zur ursprünglichen Version hat mein Gericht eine trockenere Konsistenz, was eher zu Fingerfood passt.

Um den Geschmack zu verstärken, habe ich etwas gebeiztes Gemüse dazu gegeben, das so schön würzig schmeckt. Da ich dieses Gericht als Vorspeise oder Fingerfood servieren möchte, habe ich mich für eine Art Wrap mit einem frischen Salatblatt entschieden. Der erfrischende Geschmack und der knackige Biss des Salatblattes harmonieren total gut mit dem aromatischen und würzigen Geschmack der Hähnchenfüllung. Dazu verleihen die Glasnudeln diesem Gericht eine geschmackliche Ausgewogenheit.

Ich war überglücklich zu sehen (schmecken), wie gut meine Kreation geworden ist! Wickel alles ein, genieß die „Ameisen“!

Zutaten (6-8 Portionen als Vorspeise):

200g Hähnchenbrustfilet
3 rote und 3 grüne Peperoni (wer es gerne scharf mag, kann auch ruhig Chilis nehmen)
100g gebeiztes Gemüse (brauner Senf, beim guten Asia Shop)
50g geröstete Erdnüsse (zerkleinert)
10g geriebener Ingwer
10g gepresster Knoblauch
50g Glasnudeln
Einige Blätter Kopfsalat

Für die Marinade:

2g Meersalz
2g Zucker
10g chinesischer Kochwein (Asia Shop)
2g Sojasoße
10g Sesamöl
25g Speisestärke
50ml Rapsöl

Zubereitung:

  1. Glasnudeln in gekochtem Wasser für 10 Minuten einweichen. Danach mit kaltem Wasser abschrecken und auf einem Sieb abtropfen lassen.
  2. Hähnchenbrustfilets in winzige Würfel schneiden. Mit den Gewürzen für die Marinade 30 Minuten marinieren und im Kühlschrank kühl stellen.
  3. Peperoni waschen und in Ringe schneiden.
  4. Rapsöl in die Pfanne geben und auf mittlerer bis großer Flamme erhitzen. Hähnchenfleisch dazu geben und braten, bis es fast trocken ist. Aus der Pfanne nehmen und auf Küchenpapier legen.
  5. Mit dem restlichen Öl, Ingwer und Knoblauch kurz anbraten, bis das Aroma herauskommt.
  6. Danach das gebeizte Gemüse mit den Peperoni in die Pfanne geben und ordentlich anbraten, bis es duftet. Hähnchenfleisch dazu geben und gut verrühren.
  7. Zum Schluss mit Zucker und Sesamöl abschmecken und aus der Pfanne nehmen.
  8. Auf jeweils ein einzelnes Salatblatt einige kurz geschnittene Glasnudeln legen, die Hähnchenmischung darauf legen und mit ein paar zerkleinerten Erdnüssen garnieren.
  9. Lass Dir die „Ameisen“ schmecken!

Ach ja, die Antworten für diese verrückten Namen der chinesischen Gerichte!

Phönix Tatze = Hühnerfüße

Sich wälzender Esel = Klebreis-Röllchen gefüllt mit roter Bohnenpaste (Reisröllchen mit geröstetem braunem Bohnenpulver, das einige Leute an Esel erinnert, die sich auf dem schmutzigen Boden wälzen bis sie mit braunem Staub bedeckt sind)

Geschmorter roter Löwenkopf = Geschmorte Fleischbälle in rot-brauner Soße (frag mich bitte nicht, warum es Löwenkopf, nicht Tigerkopf heißt. Ich kann es mir nur so erklären, dass dies vom Löwentanz während eines traditionellen chinesischen Festivals kommen könnte, da die Fleischbällchen angeblich so aussehen wie die dort verwendete Maske eines Löwenkopfes).

Ach, diese Chinesen! 😉

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6 Gedanken zu „Verirrte Ameisen im Wald – Hähnchen Wrap mit Salatblatt

  1. Pei

    als Kantonesin muss ich mich beschweren. Ich esse auch nicht alles!!!Und nicht alle Kantonesin isst alles! Es ist unfair…

    Antwort
    1. qinskitchen Autor

      Hallo Pei, sorry, dass ihr Kantonesen für alle Chinesen opfern müsst. 😉 Ich stimme dir voll und ganz zu, dass nicht alle Kantonesen Alles-Esser sind. 😀

      Antwort
  2. Renate

    Wenn ich die Fotos sehe und das Rezept lese, möchte ich sofort eine große Portion
    „Verirrte Ameisen im Wald“ verspeisen. Ein Rezept, das zum Nachkochen inspiriert, mit einer
    lustigen Information über die chinesischen Essgewohnheiten. Fazit: Ein tolle Sache !!!

    Antwort
    1. qinskitchen Autor

      Vielen Dank für die Blumen! Ich freue mich sehr, wenn du beim Lesen und Nachkochen viel Spass hast! Nur eins zur Vorwarnung: Pass auf die Ameisen auf, sonst verirren sie sich auch noch in deiner Küche. 😉

      Antwort
  3. Luca

    Hi Qin, mhhh sehr vielversprechend! Unsere Ernährungsgewohnheiten sind ja immer sehr von Traditionen und frühkindlichen Erfahrungen geprägt. In Mexico gelten Ameiseneier (das sind dann wirklich Eier von Ameisen) als Delikatesse! Zu recht, wie ich finde, sie sind wirklich lecker aber wir sind es einfach nicht gewohnt. Auf der anderen Seite finden wir Fischeier so lecker das wir horrende Preise dafür zu bezahlen bereit sind. Übrigens: in Mexico habe ich auch eine Sauce aus gemörserten Ameisen gegessen – ebenfalls sehr zu empfehlen! Liebe Grüße, Luca

    Antwort
    1. qinskitchen Autor

      Wow, cool, eine Soße aus gemörserten Ameisen! Das würde ich auch mal gerne probieren! Du bist echt ein sehr mutiger Deutscher! Respekt! 😉 Ich stimme Dir voll und ganz zu: alles ist nur eine Sache von unterschiedlichen Essgewohnheiten und Perspektiven. Viele Menschen neigen sehr schnell dazu, alles, was man nicht kennt, als nicht normal zu verurteilen. „Offen für Neues zu sein“ ist eine sehr lobenswerte Einstellung. 🙂

      Antwort

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