Nussige Süßkartoffel-Creme

© Qin Xie-Krieger

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In meiner Heimatstadt Chengdu waren in meiner Erinnerung die Winter sehr kalt. Die Feuchtigkeit machte die Kälte noch unerträglicher. Damals sind wir Schüler immer mit eigenen Fahrrädern zur Schule gefahren, auch im eiskalten Winter.

Eines der Bilder in meiner Erinnerung aus dieser Zeit im Gymnasium sind die dunklen Abende nach der Schule, wo ich meine grausamste Zeit mit immer nur pauken und pauken, unendlich vielen kleinen Tests und großen Prüfungen erlebte… Jeden Abend mussten wir bis 21:00 Uhr in der Schule bleiben, um Hausaufgaben und ganz viele zusätzlichen Übungen zur Vorbereitung auf die großen Prüfungen zu machen. In der schlimmsten Zeit verbrachte ich meinen Tag und Abend zwischen 7:30 und 21:00 Uhr in der Schule.

Am schlimmsten war die Noten-Rangliste, auf denen alle Schüler mit ihren Namen und allen ihren Noten aufgelistet und miteinander verglichen wurden. Die Schüler, die ganz unten standen, mussten darauf vorbereitet sein, dass ihre Eltern zu einem ernsthaften Gespräch mit dem Klassenlehrer bestellt wurden. Das bedeutete für diese Schüler sich monatelang kopfhängend und schämend vor ihren Mitschülern und LehrerInnen präsentieren zu müssen, noch mehr pauken und quasi null Freizeit für Spaß.

Die Schüler, die in der Mitte der Liste standen, wurden von den LehrerInnen und Eltern aufgefordert, bei den nächsten Prüfungen ihre Plätze zu verbessern. D.h. noch mehr pauken und noch weniger Freizeit. Was war dann mit den Schülern, die ganz oben auf der Liste standen?  Sie müssten doch bessere Karten und mehr Spaß als ihre Mitschüler haben können. Schön wäre es! Sie konnten sich auch nicht freuen und mussten sich stets anstrengen, um ihre von Allen begehrten Plätze zu sichern. D.h. weiter pauken bei null Freizeit.

© Qin Xie-Krieger

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Tja, so war meine Jugendzeit… Nur an jedem Abend nach Schulende um 21:00 Uhr war der schönste Moment des Tages. Meine Freundinnen und ich holten unsere Räder aus der bewachten Fahrradgarage und fuhren mit großer Erleichterung aus der Schule, da der Tag des endlosen Lernens endlich zu Ende war.

Die Winterluft war kalt und klar. Beim Plaudern stieg sofort weißer Dampf aus dem Mund. Auf der anderen Straßenseite, gegenüber des Eingangstors unserer Schule, stand täglich ein älterer Herr im Alter von ca. 60 Jahren. Auf seinem Dreirad thronte ein pechschwarzer Kohleofen, worauf die Kohlen dunkelrot glühten und wohltuende Wärme abgaben. Auf den glühenden Kohlen lagen diese unheimlich süß duftenden Knollen – Süßkartoffeln. Ihre Schale war durch die brennende Hitze bereits schwarz und teilweise geplatzt, wo ihr karamellähnlicher Saft auslief und ihren verführerischen süßlichen Duft noch mehr verstärkte.

Dieser Stand war der Lieblingstreffpunkt für mich und meine Mitstreiterinnen im Winter. Wir saßen auf unseren Rädern, wärmten unsere kalten Hände an dem warmen Ofen, umringten den Süßkartoffel-Opa (so haben wir ihn getauft) und bestellten zu zweit eine dieser leckeren riesigen Knollen.

Der Süßkartoffel-Opa suchte immer die weichsten für uns aus, da sie am längsten gegrillt und daher am süßesten schmeckten. Wir zogen unsere dicken Handschuhe aus und brachen die butterweichen Knollen kinderleicht in zwei Hälften. Sofort drang ein weißer, heißer Dampf aus der Mitte der knallorangenen Süßkartoffeln. Dieser unbeschreibliche süße Duft stieg mit dem heißen Dampf in unsere Nasen empor. Es gibt keinen anderen verführerischeren Geruch in der Welt als diesen!

Wir verschlangen diese wunderbare Köstlichkeit und spürten die schleichende Wärme durch unsere Hände, unseren Mund, unseren Magen, die zum Schluss auch bei unseren Füssen landete. Wir aßen, lachten, plauderten. In diesem Moment vergaßen wir alle diese schrecklich schweren Übungen, die bevorstehenden Prüfungen, die alarmierenden Noten-Ranglisten, die ernsthaften Gesichter unserer LehrerInnen und Eltern… Es war einfach wunderschön.

© Qin Xie-Krieger

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Als ich das Rezept kreierte, hatte ich dieses unvergessliche Aroma in meinem Kopf. Ich wollte eine Vorspeise haben, deren Geschmack mich an die gegrillten Knollen erinnern kann. Anfangs habe ich es im Ofen ausprobiert. Aber die Kartoffeln waren zu trocken geworden und dieses Aroma war einfach nicht da. Als ich dann die gewürfelten Kartoffeln ins Öl geworfen habe und diese mit Braunzucker karamellisierte, war es plötzlich da!

Davon kann ich einfach nicht genug haben! Seitdem das Rezept entstand, mache ich diese Creme immer wieder gern. Dieses Aroma, dieser Geschmack! Es schmeckt anders, nicht identisch mit den gegrillten Süßkartoffeln in meiner Jugend. Dennoch erinnert mich diese Creme jedes Mal an den Stand mit den leckersten gegrillten Süßkartoffeln der Welt, die den Kummer von mir und meinen Freundinnen mit ihrem süßen Duft aus unseren Köpfen verjagten.

Zutaten:

500g Süßkartoffeln
2 Schalotten (fein gewürfelt)
2 Knoblauchzehen (fein gewürfelt)
2 EL Olivenöl
1 EL Braunzucker
1/2 TL indisches Curry-Pulver
2 EL Erdnuss-Mus (Bio-Supermarkt)
2 EL Kokosmilch
2 TL Kokosöl (Bio-Supermarkt)
Salz und Pfeffer
100g geröstete Erdnüsse zum Garnieren (grob gehackt)

Zubereitung:

  1. Süßkartoffeln in kleine Würfel schneiden (ca. 3mm)
  2. In einen unbeschichteten Topf das Olivenöl geben und kurz erhitzen. Die gewürfelten Schalotten und den Knoblauch darin glasig anschwitzen lassen.
  3. Die Süßkartoffeln dazu geben und mitbraten. Dann das Currypulver und den Braunzucker daruntermischen und gut verrühren. Kokosmilch dazu geben. Bei schwacher Hitze zugedeckt ca. 10min. köcheln lassen.
  4. Den Topf vom Herd nehmen und alles mit einem Stabmixer fein pürieren. Das Erdnuss-Mus unterheben und gut verrühren.
  5. Zum Schluss mit dem Kokosöl, Salz und Pfeffer abschmecken.
  6. Die Süßkartoffel-Creme mit den gehackten Erdnüssen garnieren. Dazu schmecken z.B. karamellisierte Hühnerbrustfilets und knusprige Krabbenchips.
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